Interim Management – Sprachlich betrachtet

Eine klare Sprache als Grundlage eines klaren Gedankens

Schon Wilhelm von Humboldt (1767-1835) formulierte, Sprache sei das “bildende Organ der Gedanken”. Seitdem Suchmaschinen wie Google wesentlich für das Auffinden von Informationen über Interim Management und seine Anbieter sind, stellt nicht nur in bildender, sondern auch in merkantiler Hinsicht die Frage der Schreibweise.

Ein Blick in die Praxis zeigt, dass selbst innerhalb der Branche nach wie vor Uneinheitlichkeit in Bezug auf die Schreibweise unserer Dienstleistung herrscht. Klickt man sich durch die Homepages der einzelnen Anbieter, findet man: Interim Management, Interimsmanagement, Interims-Management, Interim-Management und Interimmanagement.

Ganz abgesehen von der Frage, ob es sich also um ein oder zwei Wörter handelt, steht die Frage nach dem Bindungs-S im Vordergrund. Obwohl in Süddeutschland das „Bindungs-S“ wesentlich öfter vorkommt als im Norden (was an der räumlichen Nähe zu Österreich, dem Mekka des Bindungs-S, liegen kann), favorisieren butterflymanager, MANATNET und ZMM die Schreibweise Interim Management. Bei den Hamburger Management Angels dagegen herrschte, trotz der Nähe zum englischen Sprachraum, über Jahre hinweg das Interimsmanagement vor. Erst seit das Unternehmen Mitte 2008 Teil der britischen Albemarle Interim Management Plc wurde, änderte sich auch der Begriff und wurde zum „Interim Management“.

Rein sprachwissenschaftlich gesehen, ist der Begriff “Interimsmanagement” die Verbindung eines lateinischen und eines englischen Ausdrucks mit Hilfe eines österreichischen Bindungs-S. “Interimmanagement” dagegen folgt keinerlei Regeln, es werden einfach nur zwei Worte knallhart zusammengefügt. Bei “Interims-Management” wird doppelt gemoppelt, da das “s” und der Bindestrich die gleiche Funktion haben – eine Verbesserung dieser Form stellt das Interim-Management dar.

Um zu erfahren, was diejenigen denken, die es wirklich wissen sollten – nämlich Interim Manager selbst – wandte sich ZMM mit einer kleinen Online-Umfrage an etwa 2.000 Interim Manager und Experten. Insgesamt machten 125 Manager mit. Gesucht war eine ungestützte Antwort auf die Frage nach den Suchbegriffen, die sie in eine Suchmaschine eingeben würden, um einen Anbieter für Interim Management oder einen Manager auf Zeit zu finden. Jeder Teilnehmer konnte bis zu drei Begriffe nennen.

Als Antwort wurden 116 (!) verschiedene Begriffe angegeben. Über sechzig davon kamen nur auf fünf oder weniger Nennungen – darunter auch eher abwegige Angaben wie „Mulchsaat“, „Baurecht“ oder „Kriese Management“. Google ist im Denken der Suchmaschinennutzer offenbar so allgegenwärtig, dass dort auch nach Google gesucht wird – der Wissenschaftler spräche hier wohl von Selbstreferenz. Das Ergebnis: Auf den ersten beiden Plätzen stehen Interim Management und Interim Manager – und damit weit vor Interimsmanager (Rang 6), Interimsmanagement (Rang 9) oder gar Interims-Manager (Rang 16).

Eindeutig klären wird sich die Frage dadurch nicht. Wirft man einen Blick in Wikipedia, so findet man nur einen Eintrag: “Interim Management (lat. ad interim „unterdessen, einstweilen“) ist eine zeitlich befristete Art ….”. Allerdings kommt man auf diese Seite sowohl, wenn man nach Interim Management sucht, als auch wenn man den Begriff “Interimsmanagement” eingibt. Interims-Management und Interimmanagement dagegen ergeben keinen Treffer.

Wie hätte Humboldt das gesehen? Vermutlich hätte er sich über die Ergänzung des Philosophen Ludwig Wittgenstein (1889-1951) – etwa ein Jahrhundert später – gefreut: “Die Grenzen meiner Sprache sind die Grenzen meiner Welt”. Freuen wir uns also in einer globalisiert wirtschaftenden Welt über die weitere Verbreitung des einheitlichen Begriffs Interim Management. Jetzt haben wir es: Eine klare Sprache als Grundlage jeden klaren Gedankens … und grundlegende Voraussetzung, damit Kunde und Dienstleister sich finden!

Autoren: Dr. Anselm Görres (ZMM), Dr. Harald Schönfeld (butterflymanager) und Jürgen Becker (MANATNET), März 2009

 

Vertiefende Erläuterungen aus sprachlicher Sicht von Dietmar von Polenz