![]() |
Arbeitskreis Interim Management Provider | |
zurück
AktuellesDer 56-Milliarden-Rechenfehler: Die Medien kriegen sich kaum mehr ein: Eine zwangsverstaatlichte Bank und eine renommierte WP-Firma verrechnen sich um 56 Milliarden. Der kleine Hartz-IV-Empfänger mag sich denken: Die in Berlin schmeißen mit den Milliarden um sich, und bei mir feilschen sie um 5 Euro! Oder man stelle sich vor, das Ganze wäre in Portugal passiert, nur in umgekehrter Richtung. Bei einem BIP von einer Viertelbillion stiegen Portugals Staatsschulden schlagartig um über 20 Prozent. Portugal-Papiere sackten ins Bodenlose, die Zinsen explodierten, die Regierung müsste zurücktreten. Besonderer Lacher: Mal wieder einer dieser berühmten Brutto-Netto-Fehler. Scharping passierte er beim Stundenlohn, Merkel bei der Mehrwertsteuer, nun ausgerechnet einer Bad Bank beim Durchgeben von Bilanzzahlen. Bad Banker sind auch noch schlechte Rechner. Heute sprach ich mit einem befreundeten Banker, darüber was eigentlich passiert war. Beim Ermitteln der deutschen Staatsschulden für Meldungen ans Statistische Bundesamt und nach Brüssel werden staatliche und parafiskalische Institutionen zusammenaddiert. Naiv stelle ich mir das so vor. Jeder muss für seine Institution die Schulden nennen. Die Bürgermeister für ihre Gemeinden, die Bayern, Sachsen usw. für ihr Bundesland, für den Bund Herr Schäuble. Für die Parafisci oder Parafisken, also parafiskalische Nebenhaushalte, obliegt das den jeweiligen Präsidenten oder Vorstände, so etwa für die Rentenkassen oder eben auch die SoFFin mit ihren Bad Banks. Letztlich war die Erklärung einfach. Bei Derivate-Geschäften werden beidseitig Collaterals, also Pfandwerte ausgetauscht. Deren bilanzielle Behandlung ist nicht ganz eindeutig geregelt, man hat wohl die Wahl zwischen einer saldierten und unsaldierten Behandlung, letztere verlängert die Bilanz. Im vorliegenden Fall war nun die unsaldierte Passivseite nach Berlin gemeldet worden, aber ohne die zugehörigen Aktivposten. Damit fiel die Meldung seit Beginn dieser Praxis um besagte 56 Milliarden zu hoch aus. Bei einer früheren Panne bekam KPMG den bösen Spitznamen Keiner prüft mehr genau. Jetzt trifft es die armen Kollegen von PWC. Wahrscheinlich kursieren schon hämische Übersetzungen wie Please Watch Counting, Pretty Weird Calculations und ähnliches. Häme wird immer gratis und großzügig verteilt. Auch für die jungen Leuten von Occupy Bankfurt dürfte die Nachricht ein gefundenes Fressen sein. Dabei gäbe es doch wirklich Schlimmeres als zu erfahren, dass unsere Staatsverschuldung nur noch 21,1 statt 23,7 Prozent über der Maastricht-Grenze von 60% liegt. Wo ist die Verbindung zu unserer Branche? Fehler passieren überall, auch in der Beratung. In meiner McKinsey-Zeit wurde einmal - ausgerechnet in einer Studie für Lothar Späth - die Zeile mit den Jahreszahlen hinzuaddiert. Oberpeinlich! In der augenblicklichen Euro- und Europa-Krise sind die Menschen noch deutlich nervöser als sonst. Wenn sich gerade die oberschlauen finanziellen Eliten verrechnen, denen der Normalbürger – ob jeweils zutreffend oder nicht – Mitschuld an Finanzkrisen und Staatsüberschuldung zuschreibt, dann ist das kaum geeignet, die Stimmung zu verbessern. Auch externe Manager sollten doppelt vorsichtig sein, wenn sie mit Zahlen umgehen, die vielleicht brisant werden können. Denn gerade der Externe eignet sich besonders gut als Sündenbock. Dr. Anselm Görres, ZMM Zeitmanager München GmbH |
| | | | |
| © 2013 AIMP.de | WEB-MEDIA.de |